Scaleway Kapsule vs. AWS EKS: Managed Kubernetes in Europa im Vergleich
Kostenlose Control Plane gegen 73 US-Dollar im Monat, Cilium im privaten Netz gegen VPC CNI, API-Schlüssel gegen Pod Identity: ein fairer Vergleich von Kapsule und EKS – auch dort, wo EKS die Nase vorn hat.

Ein SaaS-Team betreibt zwei EKS-Cluster in Frankfurt, Produktion und Staging. Auf der Monatsrechnung steht eine Zeile, die sechsmal so hoch ist wie im Vormonat: Der Staging-Cluster lief 14 Monate auf derselben Kubernetes-Version und ist in den kostenpflichtigen Extended Support gerutscht. In derselben Woche will der Einkauf eines Großkunden wissen, welcher Anbieter hinter der Infrastruktur steht. Das Team schaut sich Scaleway Kapsule an.
Kapsule und Amazon EKS sind Managed-Kubernetes-Dienste: Der Anbieter betreibt die Control Plane mit API-Server, etcd und Scheduler, Sie betreiben die Nodes und alles darauf. Alle Preise Stand Oktober 2026.
Was kostet die Control Plane?
- EKS: 0,10 US-Dollar pro Cluster und Stunde, rund 73 US-Dollar im Monat. Nach 14 Monaten Standard Support rutscht eine Version automatisch in den Extended Support: 0,60 US-Dollar pro Stunde, rund 438 US-Dollar im Monat, für weitere 12 Monate. Wer ihn abschaltet, bekommt am Ende des Standard Supports ein automatisches Upgrade.
- Kapsule: Die gemeinsam genutzte Control Plane kostet nichts, hat keine SLA und trägt bis zu 150 Nodes. Dedizierte Control Planes kosten 80,30 bis 255,50 Euro im Monat, mit 99,5 % SLA und bis zu 500 Nodes.
Für Produktion plus Staging heißt das: rund 146 US-Dollar im Monat bei EKS, null Euro bei Kapsule mit gemeinsamer Control Plane. Dafür sagt EKS 99,95 % Verfügbarkeit des API-Endpunkts zu, Kapsule nur dediziert. Nodes kommen bei beiden hinzu – die ganze Rechnung für Kapsule steht im Beitrag Was kostet Kubernetes auf Scaleway wirklich?.
Netzwerk: Cilium im privaten Netz oder VPC CNI?
Ein Kapsule-Cluster sitzt in einem Private Network von Scaleway, als CNI stehen Cilium oder Calico zur Wahl. Für die Nodes gibt es zwei Varianten:
- Controlled isolation (Standard): Nodes haben private und öffentliche Adressen, eingehender Verkehr auf der öffentlichen Seite wird per Security Group verworfen.
- Full isolation: Nodes haben nur private Adressen, ausgehender Verkehr läuft über ein Public Gateway – mit einer festen Egress-IP, die Partner auf ihre Allowlist setzen können.
Die Control Plane behält eine öffentliche Adresse. Ihre Liste erlaubter IPs steht ab Werk auf 0.0.0.0/0 und gehört eingeschränkt.
EKS setzt auf die Amazon VPC CNI: Jeder Pod bekommt eine Adresse aus Ihrem VPC-Subnetz – direkt erreichbar, aber adresshungrig, Subnetze also von Anfang an großzügig planen. Cilium lässt sich installieren, unterstützt wird auf AWS-Nodes aber nur die VPC CNI. Ein klarer Punkt für EKS: Der API-Endpunkt lässt sich ganz privat schalten.
Wie kommen Pods an Cloud-Berechtigungen?
Ein Pod, der in einen Bucket schreibt, braucht Rechte beim Cloud-Anbieter. EKS löst das mit EKS Pod Identity oder dem älteren IRSA: Eine IAM-Rolle wird einem Kubernetes-Service-Account zugeordnet, der Pod bekommt kurzlebige Zugangsdaten, im Cluster liegt kein dauerhafter Schlüssel.
In der Dokumentation von Scaleway haben wir kein Gegenstück gefunden. Der dokumentierte Weg ist eine IAM-Anwendung mit eigenem API-Schlüssel, der als Secret in den Pod kommt. Beherrschbar – ein Schlüssel pro Anwendung, eine knappe Policy, regelmäßig rotiert –, aber ein langlebiges Geheimnis, auf das Sie aufpassen müssen. Hier ist EKS klar voraus.
Node-Pools und Upgrades: Was nimmt der Anbieter ab?
Kapsule-Pools skalieren automatisch zwischen Minimum und Maximum, Autoheal ersetzt kranke Nodes. EKS bietet mehr Wege: Cluster Autoscaler, Karpenter oder EKS Auto Mode, bei dem AWS die Nodes verwaltet – gegen eine Gebühr zusätzlich zum EC2-Preis.
- Kapsule: Patch-Versionen spielt Scaleway auf Wunsch automatisch ein, für Control Plane und Nodes, in Ihrem Wartungsfenster. Minor-Upgrades lösen Sie selbst aus, eine Version pro Schritt, ohne Downgrade. Nach rund 14 Monaten Support hebt Scaleway den Cluster selbst auf die nächste Minor-Version.
- EKS: Die Control Plane aktualisieren Sie selbst, ebenfalls eine Minor-Version pro Schritt; Node Groups und Add-ons wie VPC CNI und CoreDNS ziehen Sie nach. Dafür lässt sich ein Upgrade sieben Tage lang zurückrollen.
Regionen, Ökosystem und Firmensitz
Kapsule gibt es in Paris, Amsterdam und Warschau mit je drei Availability Zones sowie in Mailand mit einer. AWS betreibt in der EU sechs Regionen und seit Januar 2026 die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg, ebenfalls mit EKS.
Beim Ökosystem ist der Abstand groß, das gehört offen gesagt: AWS hat weit mehr verwaltete Dienste, Instanztypen und Integrationen, dazu mehr Fachleute auf dem Arbeitsmarkt. Wer DynamoDB, SQS oder Lambda tief eingebaut hat, zieht nicht wegen einer Control-Plane-Gebühr um.
Beim Firmensitz liegt Scaleway vorn, wenn Ihre Kunden einen europäischen Anbieter verlangen: Scaleway SAS sitzt in Paris. AWS ist ein US-Unternehmen und unterliegt US-Gesetzen wie dem CLOUD Act; die European Sovereign Cloud betreiben europäische Gesellschaften nach deutschem Recht, sie gehört aber zum Amazon-Konzern. Wie schwer das wiegt, entscheiden Ihre Verträge.
Kapsule oder EKS: Welcher Dienst passt?
- EKS, wenn Ihre Anwendung tief in AWS-Diensten steckt, Sie Pod Identity oder einen rein privaten API-Endpunkt brauchen oder ein Plattform-Team die Breite von AWS nutzt.
- Kapsule, wenn Ihre Kunden einen europäischen Anbieter verlangen und Ihre Anwendung mit Kubernetes, PostgreSQL oder MySQL, S3 und einer Registry auskommt.
- Kapsule mit dedizierter Control Plane, wenn der Cluster geschäftskritisch ist, eine SLA braucht oder über 150 Nodes wächst.
Was beim Umzug aus RDS, S3 und Route 53 wird, beschreibt der Beitrag Von AWS zu Scaleway.
Wie Clusterward Kapsule-Cluster betreibt
Clusterward legt Kapsule-Cluster in Ihrem eigenen Scaleway-Projekt an, in Paris, Amsterdam oder Warschau, abgerechnet direkt von Scaleway. Ab Werk sicher: privates Netz, Public Gateway, Nodes ohne öffentliche IP, Cilium und eine API, die von der ersten Minute an nur von den Adressen erreichbar ist, die Sie eintragen – siehe Cluster-Provisioning.
Danach hält Clusterward den Cluster aktuell: Patch-Upgrades laufen im Wartungsfenster (ab Werk sonntags, 3 Uhr UTC), das nächste Minor-Upgrade bietet das Cockpit an und führt es nach Bestätigung samt Node-Pools aus, siehe Cluster-Updates. Add-ons wie der Ingress-Controller (nginx oder Envoy Gateway) und cert-manager laufen auf getesteten Versionen. Wer von AWS kommt: Wechsel von AWS, Azure oder GCP.
Fazit
EKS ist die breitere Plattform: Pod Identity, privater API-Endpunkt, mehr Wege zu skalieren. Kapsule ist die schlankere: kostenlose Control Plane, Cilium im privaten Netz, Sitz in der EU. Für SaaS-Teams ohne Plattform-Team, deren Anwendung aus Containern, Datenbank und Buckets besteht, reicht Kapsule oft – wer tief in AWS steckt, bleibt besser dort.
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Quellen und weiterführende Links
Häufige Fragen
- Bei Kapsule ist die gemeinsam genutzte Control Plane kostenlos, ohne SLA und für bis zu 150 Nodes; dedizierte Control Planes kosten 80,30 bis 255,50 Euro im Monat. EKS berechnet 0,10 US-Dollar pro Cluster und Stunde, rund 73 US-Dollar im Monat, im Extended Support 0,60 US-Dollar pro Stunde. Die Nodes kommen bei beiden hinzu (Stand Oktober 2026).